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Einblicke vom 39C3-Kongress in Hamburg

Geschrieben von Swiss Post Cybersecurity | 14.01.2026 08:16:13

Der 39C3 Kongress fand zwischen Weihnachten und Neujahr im Herzen von Hamburg statt. Das Programm umfasste eine Vielzahl von Themen, die für moderne Sicherheitsexperten relevant sind. Die Vorträge reichten von Low-Level-Sicherheitsforschung und Reverse Engineering über Datenschutz- und Kryptografie-Herausforderungen in Verbrauchertechnologien bis hin zu gross angelegter Netzwerksicherheit und den Sicherheitsauswirkungen neuer, alltäglicher vernetzter Geräte. Andere Vorträge befassten sich mit rechtlichen Ansätzen gegen Überwachungstechnologien, der Rolle von Technologie in modernen Konflikten sowie der Sicherheit sicherheitskritischer und medizinischer Systeme.

Mehrere Vorträge kombinierten technische Tiefe mit hoher praktischer Relevanz. Ein besonders interessanter Vortrag, "Protecting the network data of one billion people: Breaking network crypto in popular Chinese mobile apps", wurde von Mona Wang präsentiert. Wang ist Security Researcher und hat mit Organisationen wie der Electronic Frontier Foundation sowie der Forschungsgemeinschaft an der UC Berkeley zusammengearbeitet. In ihrem Vortrag beschrieb Wang, wie ihr Team rund ein Dutzend selbstentwickelte Netzwerkverschlüsselungsprotokolle systematisch analysierte und ausnutzte, die in weit verbreiteten chinesischen Mobilanwendungen, darunter Kommunikations- und Browsing-Software, verwendet werden. Indem sie demonstrierte, wie Angreifer mit Zugriff auf den Netzwerkverkehr sensible Metadaten von Nutzern aus diesen selbstentwickelten Verschlüsselungsalgorithmen wiederherstellen konnten, untermauerte die Forschung die alte Lektion, keine eigene Kryptografie zu entwickeln. Zudem wurde die Bedeutung gut geprüfter Standardprotokolle für den Schutz von Nutzerdaten im grossen Massstab hervorgehoben.

Eine weitere denkwürdige Sitzung, "Watch Your Kids: Inside a Children's Smartwatch", wurde von Nils Rollshausen, einem Doktoranden am Secure Mobile Networking Lab (SEEMOO) der TU Darmstadt, gehalten. Rollshausen führte eine detaillierte Sicherheitsanalyse einer beliebten Smartwatch-Plattform für Kinder durch. Dabei wurden die Firmware und die Zugangskontrollen mittels Reverse Engineering analysiert. Die Untersuchung ergab, dass statische kryptografische Schlüssel und eine unzureichende Authentifizierung es Angreifern ermöglichten, Nachrichten zu lesen und zu verändern, Standortdaten zu manipulieren sowie mit dem Gerät aus der Ferne zu interagieren. Zu den Demonstrationen gehörten das Ändern der gemeldeten GPS-Koordinaten sowie das Spoofing der Kommunikation. Diese Demonstrationen veranschaulichten, die Auswirkungen fehlerhafter Sicherheitsannahmen auf die Privatsphäre und die Sicherheit der Endbenutzer in der Praxis.

Diese Vorträge sind nur einige Beispiele für die zahlreichen faszinierenden technischen Analysen und aufschlussreichen Sitzungen zum Thema Sicherheit und Datenschutz, die auf dem 39C3 Kongress angeboten werden.

Weit über den Hörsaal hinaus

Ein charakteristisches Merkmal des Kongresses ist seine starke Ausrichtung auf Interaktion und praktische Teilnahme. Zusätzlich zu den Vorträgen gab es zahlreiche Hacking Spaces, Projektbereiche, Workshops und Versammlungen. In diesen Bereichen war es möglich, praktische Experimente durchzuführen, gemeinsam zu lernen und sich informell auszutauschen. Die Teilnehmenden konnten Werkzeuge erforschen, Techniken austauschen und Ideen jenseits der Beschränkungen eines traditionellen Konferenzrahmens diskutieren.

Key Takeaways vom 39C3

Die Teilnahme an dem 39C3 war intensiv, aber äusserst lohnend. Die technische Tiefe, die kreative Exploration und das Engagement der Community lieferten wertvolle Impulse und zeigten, wie wichtig ein breiter Blickwinkel in der Cybersicherheit ist.

Für unsere Kunden bestätigten die Vorträge die Bedeutung von Best Practices im Bereich Sicherheit. Dazu gehört der Einsatz bewährter Standards, die Führung eines Inventars der Geräte und Systeme sowie deren regelmässige Updates. Ebenso wichtig ist die Auswahl von Anbietern mit nachweislich sicherer Lieferkette.
Die Erkenntnisse aus dem Kongress zeigen ausserdem, dass proaktive Schwachstellenforschung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Sicherheitsproblemen zum Schutz digitaler Dienste beitragen und das Vertrauen aufrechterhalten.

Insgesamt wurde auf dem 39C3 deutlich, dass offener Austausch und Zusammenarbeit entscheidend für die Weiterentwicklung der Cybersicherheit und für eine vertrauenswürdige digitale Welt sind.